Medizin im arabischen Raum

Ganz anders stellte sich der Sachverhalt in den arabischen Ländern dar. Chirurgie und Medizin waren hier nicht getrennt und Männer behandelten auch Frauen.
Yuhanna Ibn Masawaiyh (Mesuë der Ältere, 777 – 857), verfasste unter anderem Schriften zur Gynäkologie und Geburtskunde, Ibn Nafis von Damaskus (1210 – 1296) schrieb über den Lungenkreislauf. Erhalten ist ein türkisches Manuskript über die Chirurgie von 1465 (Charaf-ed-Din), der die chirurgische Behandlung von Genitalinfektionen bei der Frau beschreibt.
Die Araber kannten darüber hinaus Rezepte zur Schmerzstillung.

Verglichen mit der arabischen Medizin war das Wissen in Europa rückständig: Dort vermutete man zur gleichen Zeit den Sitz der Seele in den Gehirnventrikeln. Man nahm an, dass Nerven hohl seien. Und, dass das Menstruationsblut einerseits zur Ernährung des Embryos diente oder andererseits über Venen in die Brust geführt und dort zu Milch wurde. Deswegen galt eine erneute Schwangerschaft während der Stillzeit als sehr unerwünscht. Dem lebenden Kind wurde der Vorzug gegeben und das andere als Kröte bezeichnet. Auch Ammen sollten nicht schwanger werden, während sie ein anderes Kind stillten.

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Abszessspaltung bei einer Frau: Cerrâh Namâh de Sharaf al-Dîn, Amasya (Türkei, 1466)