Spinnen

Das Verdrehen von Naturfasern (z. B. Wolle, Flachs, Hanf, Seide, Baumwolle) zu Fäden ist eine der ältesten Handarbeitstechniken der Menschheitsgeschichte. Im Laufe der Zeit entwickelten sich rund um Faserverarbeitung, Textilherstellung und -weiterverarbeitung bedeutende Wirtschaftszweige.
Zahlreiche Funde aus ganz Europa belegen das Spinnen mit der Handspindel schon seit der Jungsteinzeit. Seither hat sich insbesondere die Form des Spinngewichtes (Wirtel), kaum verändert.
Der Wirtel sorgt für eine gleichmäßige und längere Drehung der Spindel.

 

 

Das Spindelrad verbreitete sich erst im Laufe des 13. Jahrhunderts aus dem arabischen Raum kommend von Frankreich aus langsam in Europa. Es stellte eine revolutionäre Neuerung dar, war es doch im Vergleich zur Handspindel rund ein Drittel schneller. Nachteilig war dagegen, dass das Spindelrad nur noch stationär betrieben werden konnte. Auch war die Herstellung der Räder technisch aufwändig und sicher nicht jedermann möglich.
Die Qualität der mit dem Spindelrad produzierten Fäden stellt das Livre des métiers (Brügge, um 1349) in Frage: Das Wollgarn sei zu schwach, ungleichmäßig, ungenügend gezwirnt und zu knotig. Dies ist bedingt durch den Handbetrieb des Spindelrades, sodass nur eine Hand zum Ausziehen der Fasern frei ist.

 

 

In der Übergangszeit wurden daher besonders zum Weben von Stoffen Fäden unterschiedlicher Qualität und Belastbarkeit als Ketten- und Schussgarne verwendet.
Mit der Erfindung des fußbetriebenen Flügelspinnrads gegen Ende des Mittelalters hatte man dann wieder beide Hände frei, um ein gleichmäßiges Garn zu erzeugen.
Vor allem im Hausgebrauch wurde die Handspindel aber noch lange Zeit parallel verwendet.

Quellen und weitere Infos
https://de.wikipedia.org/wiki/Spinnrad
Textiles and Clothing, C.1150-1450: Finds from Medieval Excavations in London – Elisabeth Crowfoot