Nähen

Unsere Kleidung ist ausschließlich handgenäht. Wir versuchen uns in Schnitt, Material und Farben sowie den Nähtechniken soweit wie möglich der tatsächlichen Mode der Hochgotik zu nähern.

 

 

Die einzige sicher belegte Unterwäsche der Frau ist das hemd, ein Unterkleid aus Leinen. Die heute erhaltenen Stücke weisen meist recht einfache Schnitte auf: Es gibt keine abgeschrägte Schulterpartie und keine Armkugeln. Häufig sind Vorder- und Rückenbahn aus einem Stück gefertigt, also ohne Schulternähte. Die Ärmel sind weit geschnitten und werden zum Handgelenk hin enger. Zusätzlich können sie durch einen kleinen quadratischen Zwickel unter dem Arm erweitert sein. Mehr Weite erreicht das Gewand durch seitlich oder frontal eingesetzte dreieckige Keile die gêren.

03_03_naehen_01Schema eines einfachen Unterkleides nach dem Gewand der Infantin Maria (Spanien, vor 1235)

Die Oberbekleidung – klassischerweise aus Wolle – war im wesentlichen Ausdruck des sozialen Ranges. Nicht anders als heute assoziierte man wertvolle Kleidung mit dem entsprechenden Geldbeutel des Trägers. Die weite, faltenreiche Mode der Hochgotik erlaubte es, mit der „Verschwendung“ von Stoff protzen zu können. Wer „gut betucht“ war, sich also Kleidung leisten konnte, für die viel Stoff verbraucht wurde, der war – wie im heutigen Sinne des Sprichworts – wohlhabend.
Der Zuschnitt des klassischen Kleides, der cotta, ähnelt dem des Untergewandes: Bei einigen erhaltenen Stücken sind bereits abgeschrägte Schulternähte und Ärmelkugeln vorhanden. Dadurch ergibt sich eine vorgeformte Schulterpartie, die den Sitz des Ärmels verbessert. Auch hier sind zusätzliche Keile eingesetzt, um die Bewegungsfreiheit zu gewährleisten.
Die Saumweiten von bis zu 2m Umfang wurden wie beim Unterkleid durch das Einsetzen eines oder mehrerer seitlicher gêren erreicht. Angelehnt an die französische Mode trug man je nach sozialem Stand und Verdienst zunehmend enganliegende Ärmel, die in späteren Zeiten mit Knopfreihen geschlossen wurden. Darstellungen zeigen zudem vor allem adeligen Damen häufig in überlangen Kleidern, die zum Laufen mit der Hand gerafft werden mussten.

03_03_naehen_02Schnittmuster der Gewands der hl. Elisabeth (1. Drittel 13. Jhd.) – Quelle: Kania

03_03_naehen_03Optimierte Aufteilung einer Stoffbahn

 

Quellen und weitere Infos
Kleidung des Mittelalters – Katrin Kania
Textiles and Clothing, C.1150-1450: Finds from Medieval Excavations in London – Elisabeth Crowfoot