Das Alter der Sprache

Von drei Jahren an begann laut mittelalterlicher Auffassung die langsame Transformation des Kindes zu einem Erwachsenen, das Alter der Sprache, die Fähigkeit, zu gehen und zu laufen sowie die handwerkliche Geschicklichkeit(1).
In Handwerker- und Bauernfamilien kümmerten sich die Mütter persönlich um die Pflege und Ernährung der Kinder. Zuweilen kollidierte die Pflicht der Kinderaufzucht mit den übrigen Arbeitsaufgaben, die Auswirkungen gingen im allgemeinen zu Lasten der kleinen Kinder. Besonders zwei- bis vierjährige Kinder kamen so durch Unfälle zu Schaden, wenn sie in Haus, Hof und Garten erste Erkundungszüge zu starten begannen, und wegen mangelnder Beaufsichtigung in Feuerstellen und Brunnen stürzten oder von Vieh zertreten wurden(8). Größere Kinder, ungefähr ab vier Jahren, konnten schon zur Mitarbeit in Haus und Garten herangezogen werden und sich als Arbeitsentlastung der Mütter bezahlt machen.
Auch Stadtkinder aus ärmeren Familien schnupperten bereits mit vier bis fünf Jahren in die Welt der Erwachsenen. Sie mußten jüngere Geschwister beaufsichtigen, beim Spinnen helfen, für Lohn Gänse hüten sowie im Haushalt, Garten, teilweise auch im Weinberg Hilfsarbeiten verrichten. Vom Leben der Bauernkinder gibt es verhältnismäßig wenig Dokumente. Dennoch hat man erforscht, daß Knaben und Mädchen in der frühen Kindheit die gleichen Aufgaben hatten, die sie durch Zusehen bei den Eltern lernten(1,2).