Das Alter der Spiele

Das Alter von fünf Jahren galt allgemein als das Alter des „Vorverstandes“ und die Kinder gerieten mehr und mehr unter die Fuchtel der Lehrer und der Kirche. In diesem Alter begannen die Eltern die Erziehung ihrer Kinder, selbst wenn sie noch nicht zur Schule gingen und nicht das Alter der Vernunft erreicht hatten. Laut Bartholomaeus Anglicus, der im XIII. Jahrhundert lebte, dachten Kinder unter sieben Jahren nur an Spiele und Herumtoben, daher sollten sie, auch gem. Philippe de Novare, damit sie keine Dummheiten machten und um sie vor Gefahren durch Feuer und Wasser zu schützen, noch aufmerksam von den Eltern überwacht werden(1). In der sog. Zeit der „gepflanzten Zähne“, dentum plantatura, bis zum siebten Lebensjahr sollten Kinder nicht überanstrengt werden, da ihre Gliedmaßen noch schwach wären(2).
In den ersten Lebensjahren des Kindes standen Beißringe und Rasseln, später Windrädchen, Kreisel, Steckenpferde und Puppen im Vordergrund. Weiterhin gab es Ballspiele, Fang- und Ringelspiele, Tanz- und Versteckspiele, Pfandspiele mit vielen Regeln und eine Vielzahl von Kinderliedern(2,4). Ein zeitloses Spielzeug stellten schließlich noch die Tiere, insbesondere zahme Vögel, dar. Die im Original erhaltenen Kinderspielzeuge sind im Wesentlichen Puppen und Figürchen aus Ton. „Dies sei keinesfalls als Zeichen ihrer herausragenden Beliebtheit zu werten, sondern vielmehr darauf zurückzuführen ist, dass jene vorrangig aus Bodenfunden stammen und sich Ton gegenüber Holz und Metall als weitaus widerstandsfähiger erweise. Es bleibe deshalb anzunehmen, dass Holzspielzeug noch verbreiteter war als Spielzeug aus Ton“ zitiert Schmid(2). Das Spielzeug war jedoch so ausgerichtet, dass es die Kinder auf ihre künftige Rolle in der Gesellschaft vorbereitete. Das erhaltene mittelalterliche Spielzeug wiederum bestätigt das Interesse der mittelalterlichen Gesellschaft an den Kindern(1).